Ein neues Gesicht auf dem königlichen Balkon

22 jul

Belgien ist in Feierstimmung. Am Sonntag, dem belgischen Nationalfeiertag, erschienen der neue König Philippe und seine Frau Mathilde auf dem Balkon des Königspalastes in Brüssel. Philippe steht vor der schwierigen Aufgabe, das gespaltene Land zusammenzuhalten.

Im Jahr 1993 starb unerwartet der langjährige König Baudouin, Ururenkel von Belgiens erstem König Leopold von Sachsen-Coburg und Gotha. Auf den Thron kam überraschenderweise Baudouins Bruder Albert, obwohl der kinderlose Baudouin seinen Lieblingsneffen Philippe, den ältesten Sohn Alberts, bereits auf dessen zukünftige Rolle vorbereitet hatte. Der damals 33-jährige Philippe, so hieß es in Regierungskreisen, sei dem wichtigen Job als Staatsoberhaupt noch nicht gewachsen.

Wenngleich die Rolle des Monarchen in Belgien primär repräsentativer Art ist, hatte sich Albert II während der 541 Tagen dauernde Regierungskrise 2010 und 2011 als Stabilitätsanker für das ganze Land erwiesen. Anfang Juli teilte König Albert II schließlich offiziell mit, auf den Thron verzichten zu wollen. Der 79-jährige Albert sei müde, es sei Zeit für die kommende Generation. Außerdem machten Albert die Vorwürfe seiner angeblichen Tochter Delphine Boël zu schaffen, die kürzlich vor Gericht einen Gentest beantragte, mit dem Ziel, als offizielle Tochter von Albert anerkannt zu werden.

https://i2.wp.com/img.vandaag.be/tmp/450/350/r/articles/200910210703-1_prins-filip-wil-absoluut-met-baard-op-verjaardagszegel.jpg

Weltfremd

Fröhlich, gemütlich, sympathisch. So würden viele Belgier ihren König Albert II umschreiben. Seinen Nachfolger Philippe dagegen versehen belgische Medien nicht nur mit Adjektiven wie pflichtbewusst und ernst, sondern auch hölzern und weltfremd. Anlässlich seiner Amtseinführung veröffentlichte der königliche Pressedienst eine ausführliche Biografie des zukünftigen Souveräns. Angeblich besuchte Philippe nach dem Mauerfall inkognito einige ehemalige Ostblockstaaten. „Diese schmerzhaften, aber oft hoffnungsvollen Augenblicke erlebte ich auf der Straße unter normalen Menschen“, so Philippe. Im Übrigen betont die Biographie vor allem die – in Frage stehenden – intellektuellen Fähigkeiten des Prinzen, dem Absolvent der Elite-Unis Oxford und Stanford. Laut Biographie verbringt Philippe seine Freizeit unter anderem mit der Lektüre philosophischer Texte im altgriechischen Original.

Vor allem profiliert Philippe (53) sich aber als ein wahrer Familienmensch. Er ist mit der hochbeliebten Mathilde (40) verheiratet, deren sanfter Einfluss Philippe zu mehr Selbstbewusstsein und Spontaneität verhilft. Zusammen hat das neue Königspaar vier Kinder: Elizabeth, Gabriel, Emmanuel und Eléonore. Die 11-jährige Elizabeth steigt nun zur Kronprinzessin auf und kann eines Tages das erste weibliche Staatsoberhaupt Belgiens werden. Seit dem gestrigen Tage hat Belgien übrigens drei Königinnen, da neben Mathilde auch Paola, Gattin von Albert II, und Fabiola, Witwe von Baudouin, noch am Leben sind und ihren Titel weiterhin führen dürfen.

(Bild: vandaag.be)

Ein gewöhnlicher Nationalfeiertag

Adelsexperten aller Welt erleben gerade hektische Zeiten. Genau in diesem Monat soll das Royal Baby des britischen Prinzen William zur Welt kommen. Ende April hat die niederländische Königin Beatrix den Thron ihrem Sohn Willem-Alexander abgetreten. Im Gegensatz zu den Niederlanden ist ein freiwilliger Thronverzicht in Belgien weder üblich noch in der Verfassung vorgesehen. Albert II ist der erste belgische Monarch, der freiwillig sein Amt niederlegt.

Wegen des Sparkurses der Regierung und der kurzen Vorbereitungszeit nach der plötzlichen Ankündigung Alberts, wurden die Feierlichkeiten der Thronübergabe jedoch in bescheidenem Rahmen begangen. Ausländische Monarchen bekamen keine Einladung zum Thronwechsel. Während sich der niederländische König Willem-Alexander ein üppiges Krönungsfest gegönnt hatte, beschränkten sich die Brüsseler Feierlichkeiten auf das im Rahmen des Nationalfeiertags Übliche.

Nach dem offiziellen Rücktritt Alberts, bei dem der scheidende Souverän mit rührenden Worten seiner Frau Paola dankte, lebten die Belgier am Sonntagmorgen eine halbe Stunde ohne König. Im belgischen Parlament schwor Kronprinz Philippe den Eid in den drei offiziellen Landessprachen und wurde damit zum siebten König des Landes. Die anti-monarchistische Neuflämische Allianz (N-VA), die als Partei eine Abschaffung Belgiens anstrebt, schickte nur eine symbolische Abgeordnetendelegation zur Vereidigung. Eine Krönung im eigentlichen Sinne fand nicht statt, da die belgische Monarchie nicht über eine Krone verfügt. Um genau 13.00 Uhr grüßten Philippe und Mathilde vom Balkon des Palasts ein jubelndes Menschenmeer, bevor sie sich zusammen mit Hundertausenden die traditionelle Militärparade ansahen.

Fußball, Pommes Frites und Monarchie

Der Amtsantritt des neuen Herrschers war ein besonderes Ereignis, das im ganzen Land unterschiedlich gefeiert wurde. So gewährte der Freizeitpark Plopsaland Besuchern mit Vornamen Philippe, Mathilde, Albert oder Paola am Sonntag einen freien Eintritt. Die Stadt Kortrijk spendierte Einwohnern mit Familiennamen ‚De Coninck‘ (König) schwarz-gelb-rotes Eis. Die königliche Familie ist, zusammen mit der seit kurzem wieder erfolgreichen Nationalmannschaft im Fußball und solch gastronomischen Trümpfen wie Pommes Frites, Bier und Schokolade, eines der letzten Symbole, das die elf Million Belgier vereinen kann.

Die belgische Politik wird schon seit Jahrzehnten vom Streit zwischen der reichen Region Flandern im Norden und der strukturschwachen Region Wallonien in Süden dominiert. Auch König Philippe wird sich geschickt zwischen den drei Sprachgemeinschaften (Flamen, Frankophonen und Deutschsprachigen Belgiern) bewegen müssen. Die Regierung verpflichte Philippe bereits entgegen seinem Wunsch, Gesetze nicht nur mit seinem französischen Namen, sondern auch mit der flämischen Alternative ‚Filip‘ zu unterschreiben.

Nichtsdestotrotz gehen viele Belgier davon aus, dass Philippe seine wichtigsten Aufgaben ähnlich professionell wie seine Amtsvorgänger ausführen wird: Hände schütteln und Bänder durchschneiden.

(Bild: Belga / Nieuwsblad)

Geef een reactie

Vul je gegevens in of klik op een icoon om in te loggen.

WordPress.com logo

Je reageert onder je WordPress.com account. Log uit /  Bijwerken )

Google photo

Je reageert onder je Google account. Log uit /  Bijwerken )

Twitter-afbeelding

Je reageert onder je Twitter account. Log uit /  Bijwerken )

Facebook foto

Je reageert onder je Facebook account. Log uit /  Bijwerken )

Verbinden met %s

%d bloggers liken dit: