Gefängnistod in Belgien wird wieder untersucht

6 mrt

Gepubliceerd in de Duitse krant Neues Deutschland op 6 maart 2013.

Von Lukas Vanacker, Brüssel

26-Jähriger von Polizisten in Zelle totgeschlagen

Anfang 2010 kam ein junger Belgier in einer Antwerpener Isolationszelle ums Leben. Grund für seinen Tod war eine aggressive Intervention der Eliteeinheit der Polizei. Nun stellt sich heraus, dass zahlreiche Fehlentscheidungen von Polizei, Staatsanwaltschaft und Ärzten zum Tod des drogenabhängigen Mannes geführt haben.

Am 5. Januar 2010 verließ der damals 26-jährige Jonathan Jacob seine Wohnung in der belgischen Hafenstadt Antwerpen. Später wurde er von der Polizei in verwirrtem Zustand aufgegriffen, doch eine psychiatrische Klinik verweigerte dem jungen Mann auf Grund seines aggressiven Verhaltens die Behandlung. Weil dieser unter Einfluss von Amphetaminen stand, rieten die Ärzte auch davon ab, ihn per Spritze ruhig zu stellen.

Jonathan Jacob wurde daraufhin in einer Isolationszelle der Antwerpener Polizei festgehalten. Aus unbekannten Gründen beauftragte die Staatanwaltschaft anschließend das Sondereinsatzkommando der Polizei damit, Jacob mit einer Spritze zu beruhigen. Das SEK – Spitzenname „De Bottinekes“ (Synoniem für Stiefel) – hat die Aufgabe, aggressive oder bewaffnete Personen zu überwältigen, wenn nötig unter Anwendung von Gewalt.

Ereignisrekonstruktion im Fernsehen

Vor einer Woche zeigte die belgische Fernsehsendung „Panorama“ eine Rekonstruktion vom Tode Jacobs. Auf den Aufsehen erregenden Fernsehbildern sieht man, wie sechs Polizisten in die Isolationszelle stürmen und den nackten Mann verprügeln. Erst im Anschluss kann ihm ein Arzt die Injektion verpassen. Jedoch atmete der Mann bald darauf nicht mehr. Die Autopsie ergab, dass Jacob durch das brutale Verhalten der „Bottinekes“ zu Tode kam.

Die Mutter von Jonathan Jacob wendete sich an das zuständige Gericht und kopierte drei Tage lang alle zugehörigen Akten. Sie stellte fest, dass die entscheidende Passage einer Akte entfernt worden war. Die Information, dass ihr Sohn auf Antrag der Staatsanwaltschaft per Spritze ruhig gestellt wurde, fand sich nur in der ursprünglichen Akte. Das Treffen solch einer medizinischen Entscheidung liegt jedoch nicht in der Kompetenz der Staatsanwaltschaft.

Daher erhoben die Eltern gegen die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Urkundenfälschung, die Oberstaatsanwalt Yves Liégeois aus Mangel an Beweisen zunächst einstellte. Doch brachten die Fernsehberichterstattung und die empörten Reaktionen seitens der Öffentlichkeit den Fall erneut ins Rollen. Der zuständige Staatsanwalt Herman Dams, der seine Mitverantwortung für den Tod Jacobs immer bestritten hatte, gestand Anfang der Woche ein, dass er am 6. Januar 2010 von der Polizei angerufen worden war, weil Jacob nicht länger in der Zelle bleiben konnte. Seine entscheidende Rolle in diesem Fall hatte Dams seinen Vorgesetzten drei Jahre lang verheimlicht.

Gerechtigkeit

Deswegen kritisierte Oberstaatsanwalt Yves Liégeois den rangniedrigeren Dams auf einer Pressekonferenz. Liégeois hat die Untersuchung des Todesfalles nun wieder eröffnet. Beobachter befürchten, dass die Antwerpener Justiz die genauen Umstände des Todes Jacobs vertuschen wollte. Die belgische Justizministerin Annemie Turtelboom gab am Donnerstag bekannt, Herman Dams lasse seine Tätigkeit als Staatsanwalt vorläufig ruhen.

„Ich weiß, es war nicht einfach, mit Jonathan umzugehen“, sagte Vater Jan Jacob im belgischen Fernsehen. „Uns gegenüber hat er nie Gewalt angewendet. Wenn er eine Psychose hat, war er aber widerspenstig.“ Herr Jacob möchte vor allem Gerechtigkeit. „Ich will nur, dass die Leute zur Verantwortung gezogen werden und ihre Fehler eingestehen.“

Link naar artikel

Geef een reactie

Vul je gegevens in of klik op een icoon om in te loggen.

WordPress.com logo

Je reageert onder je WordPress.com account. Log uit /  Bijwerken )

Google photo

Je reageert onder je Google account. Log uit /  Bijwerken )

Twitter-afbeelding

Je reageert onder je Twitter account. Log uit /  Bijwerken )

Facebook foto

Je reageert onder je Facebook account. Log uit /  Bijwerken )

Verbinden met %s

%d bloggers liken dit: